Verfasst von: semmy | 27. November 2009

goodbye ebay II or hello happy book

ich war ja vor kurzem bei meiner recherche nach einer anderen, alternativen plattform für ebay beim verkauf von büchern auf happy book gestoßen. dort kann man ein konto anlegen und dann anhand der eingabe von ean codes sofort ermitteln wieviel geld man für seine bücher bekommt. bücher, die natürlich noch eine gewisse qualität haben sollten und somit in wiederverkaufsfähigem zustand sein sollten. darin liegt denke ich auch die geschäftsidee dieses anbieters. ab einem gesamterlös von 25,- eur darf man seine liste dann an den anbieter übermitteln. und dann geht alles ganz schnell. man gibt einen wunschtermin an und eine adresse und zum angekündigten termin erhält wird das paket dann von der dhl abgeholt. und sollte man wider erwarten nicht zuhause sein, wirft der dhl bote den paketaufkleber einfach in den briefkasten und man frankiert später und gibt es selbst in der nächsten postfiliale ab.

bis zum jetzigen zeitpunkt finde ich es schon sehr sehr gelungen, das muss ich zugeben. mal schauen, wie lange nun jetzt die überweisung dauert und ob alle bücher den vorstellungen der prüfer entsprechen. denn nur dann erhält man das geld. ansonsten bekommt man die bücher wieder zurückgeschickt.

abgesehen davon kann man übrigens auch cds und dvds angeben, die werden ebenfalls per ean und automatischer preisangabe genommen.

ich werde also weiter berichten und vielleicht dem ein oder anderen, der über überfüllte bücherregale klagt und gerne platz für neues lesefutter schaffen würde anraten das zumindest mal auszuprobieren.

Verfasst von: semmy | 27. November 2009

gleichgewichtsstörungen

seit meinem urlaub ist das atmosphärische gleichgewicht gestört. und ich kann das auch begründen. ich pendle ja jetzt seit über fünf jahren von mainz nach frankfurt mit der bahn. und nehme seit etwa 3 jahren auch morgens immer den gleichen zug. da kennt man die leute und ihre gewohnheiten. aber vor allem ist es immer der gleiche zeitliche ablauf, sobald wir den hauptbahnhof in frankfurt erreichen. und die ganze zeit war es so, dass ich in meinem tempo den langen bahnsteig entlang gehetzt bin, durch all die menschenmassen, die ebenfalls aus irgendwelchen zügen entlassen wurden.

man entwickelt dann irgendwann eine bestimmte route, eine bestimmte schrittfolge und wird wahnsinnig geübt im geschickten ausweichen vor anderen menschen. und bis dato war es mir auch immer möglich meinen weg ungebremst bis zur u-bahn fortzusetzen. doch seit dem urlaub ist alles anders. ich bin immer öfter gezwungen abzubremsen und auszuweichen. vielleicht liegt es an neuen pendlern oder einer geänderten zugfolge?

aber ich muss dabei immer an diese kleine ursache, große wirkung geschichten denken. wo irgendwo eine kleine fliege ihre flügel schlägt und dadurch ein wirbelsturm entfacht wird oder so. und durch irgendetwas ist dieser fluss jetzt gestört.

ich könnte jetzt aber auch einfach ein bißchen weniger alkohol konsumieren und wieder normal werden… ;)

Verfasst von: semmy | 22. November 2009

heizung kaputt! kalt!!

ganz selten klingelts bei mir. die meisten meiner gäste wissen gar nicht, wo meine klingel ist und daher reagiere ich eher auf klopfgeräusche. wenn es klingelt sind das meistens die kurzen söhne von meinen vermietern, die noch nicht an die richtige klingel kommen…

vorhin jedenfalls klingelte es mal wieder und ich hörte durch die anlage wieder jede menge geplapper und habe nicht weiter reagiert, weil sich auf meine wortmeldungen hin niemand gerührt hat. durch den spion war ebenfalls nur eine verwaiste treppe zu sehen. doch als ich eine halbe stunde später den rückweg von der papiertonne antrat, fand ich an meiner tür einen klebezettel mit dem dezenten hinweis, dass die heizung kaputt ist und der kundendienst für den nächsten tag bestellt. ich hatte mich auch schon ein wenig gewundert, dass die heizung so gar nicht warm werden wollte. wobei es heute ja recht mild war, was die temperaturen betrifft.

so hoffe ich jetzt, dass es morgen schnell repariert werden kann und vor allen dingen, dass das warme wasser auf irgendeine art und weise trotzdem verfügbar sein wird. denn kalt duschen ist etwas der wenigen dinge, die ich wirklich gar nicht gerne mache. hatte ich in dieser wohnung zwar schon öfter mal, aber schön ist es trotzdem nicht und wenn man dann den tag auf der arbeit an die heizung gekettet verbringt, wundern sich auch die kollegen. zumindest ein bißchen… ;)

gut, dass ich seit kurzem einen radiator habe. der wird wenigstens für wärme im bad sorgen.

Verfasst von: semmy | 22. November 2009

goodbye ebay

es ist schon eine kleine weile her seit ich zuletzt etwas bei ebay vertickt habe. heute wollte ich mal wieder zur tat schreiten und meine bücherregale ein wenig entmisten. ich update also meine programme, gebe den ersten artikel ein und werde schließlich beim speichern überrascht, dass für bücher keine versandkosten mehr abgerechnet werden dürfen. tja, damit ist ebay quasi für mich erledigt, denn damit lohnt es sich für bücher leider überhaupt nicht mehr. und ich frage mich auch ein bißchen, was mit den menschen passiert, die sich über ebay günstig bücher beschafft haben. denn die gingen ja oft für den startpreis von einem euro weg. rechnet man da die verkaufsgebühr und die versandkosten von mindestens 85 cent für eine büchersendung ab, hat man leider draufgelegt und kann die bücher einfacher im müll entsorgen oder verschenken. flohmarkt wäre noch eine idee, die ins auge zu fassen wäre.

schade eigentlich. aber seit ebay den anspruch hat eine verkaufsplattform im ecommerce zu sein und nicht mehr handelsplattform für gebrauchte ware, hat sich doch so einiges zum negativen entwickelt. aber ich bin sicher total rückständig und es gibt längst eine neue plattform für gebrauchtwarenhändler wie mich, oder?

Verfasst von: semmy | 21. November 2009

cinesemmy take thirteen

cinesemmy

dreizehn: lars und die frauen

seit adams äpfel habe ich ja meine vorliebe für schwedische filme entdeckt und so musste ich nicht lange überlegen, als ich den tipp von hape42 bekam. gleich auf die leihliste und 2 tage später war er da.

Lies mehr…

Verfasst von: semmy | 21. November 2009

happy birthday

1 jahr never mind...

ein jahr geht manchmal schneller vorbei als man denkt. und dann kommt es auch schonmal vor, dass man einen geburtstag schlichtweg vergisst.

am 18.11.2008 wurde never mind… aus der taufe gehoben und seither ist eine ganze menge passiert. die fakten alleine drücken es recht nüchtern aus:

211 artikel, 650 kommentare, 130 kategorien, 254 tags und 8.402 besucher.

dahinter stecken viele stunden freude am schreiben, einige traurige anlässe, viele fröhliche ereignisse und jede menge herzblut. ich habe einige menschen durch never mind… besser kennengelernt, überhaupt erst kennengelernt und bin auch desillusioniert worden. doch alles in allem war es eine richtige entscheidung damit anzufangen, denn das schreiben – so unwichtig es für andere erscheint – ist für mich eine möglichkeit das auszudrücken, was ich im direkten gespräch vielleicht nicht kann. eine art gedanken zu sortieren, dinge zu relativieren oder mir darüber klar zu werden, dass man manchmal loslassen muss und sich trennen von angewohnheiten, vorlieben und auch manchmal von menschen, so hart das im ersten moment scheinen mag.

ich bin dankbar für die erfahrungen des letzten jahres, für die, die einen platz in meinem leben eingenommen haben und von denen ich das noch vor kurzer zeit nicht angenommen hätte. dankbar auch für die begegnungen und die bekanntschaften, die erst durch never mind… entstanden sind. danke euch allen, die ihr euch hin und wieder hierher verirrt und durch eure kommentare eine spur hinterlasst.

Verfasst von: semmy | 16. November 2009

aaa oder albernheiten am arbeitsplatz

gerade fiel mir noch eine sache ein, die wir uns vor längerem schon mal auf der arbeit überlegt hatten. es gibt ja kunden, mit denen man durchaus ein paar späße machen kann. und so kam uns die idee, dass wir beim nächsten mal, wenn wir uns am telefon melden und eine derartige kundin am telefon haben würden, nach ihrer namentlichen meldung mit der antwort: „oh, entschuldigung. da hab ich mich wohl verwählt“ verabschieden wollten. mal sehen, ob ich mich das morgen schon traue oder ob es nichts weiter als eine nette anekdote aus dem leben eines gestressten buchhändlers bleiben wird. ;)

Verfasst von: semmy | 15. November 2009

der sonntag vor dem montag

nach den sommerferien fand ich den sonntag immer ganz besonders schlimm. die langsam einsetzende nervosität, die sich den ganzen tag über steigert. das nach wochenlanger entwöhnung schwerfallende frühe zubettgehen. und dann der moment im bett, wenn man merkt, dass man trotz aller guter vorsätze doch nicht vor 2 uhr morgens würde einschlafen können. so viele schafe man auch zählen mochte.

gerade jetzt geht es mir genauso. ich bin nicht nervös, ich freue mich sogar ein wenig auf meine kollegen und meine aufgaben im job. auf die zugfahrt und den geregelten tagesablauf. und dennoch: schlafen kann ich nicht. ich versuche es jetzt seit 1 1/2 stunden und weiß, dass es nicht funktionieren wird. zum einschläfernden musik- oder hörbuchhören fehlt mir die musikanlage, meine sammlung netter briefe und postkarten aus dem vergangenen jahr hab ich auch schon durch – ohne erfolg. mein buch fesselt mich und trägt auch nicht zum abschalten bei.

manchmal wäre eine kleine einschlafhilfe in form einer tablette sicherlich hilfreich, ich sollte das unbedingt auf meine to-do liste setzen. ich könnte mir auch einen zettel schreiben, was ich morgen auf keinen fall tun werde. beispielsweise schwarzmalen, egal wie verlockend es sein mag ob der nachrichten von der arbeit. ich werde mir nicht die laune verderben lassen von nöhligen kollegen. ebensowenig werde ich in hektik verfallen, wenn die kunden sich etwas in den kopf gesetzt haben, was so ohne weiteres nicht umzusetzen ist. ich werde die deutsche bahn entschuldigen für jede minute, die zu meiner herkömmlichen fahrzeit hinzukommt. ich werde mein handy und meinen mailaccount nicht dafür verantwortlich machen, dass beides an manchen tagen nur platz für spam und aktionsangebote hat. ich werde den regen mögen, weil er einfach die schönsten geräusche macht. die sonne kann sowas nämlich nicht. ich werde darüber schmunzeln, dass in meinem büro bei regen mein fenster voller regentropfen ist und das meiner kollegin blitzblank, obwohl das eine nur 5 cm vom anderen trennt. ich werde die aufgehende sonne über dem messeturm bewundern und die untergehende sonne auf meinem heimweg – entweder über dem mainzer dom oder schon am frankfurter hauptbahnhof.

ich werde mich darüber freuen, dass sich mindestens zwei menschen so sehr auf morgen freuen, weil sie mich endlich wieder bei sich haben. ich werde von meinem urlaub erzählen und dabei auch einiges verarbeiten, was unerfreulich oder unangenehm war. ich werde mich auf den heimweg von der arbeit machen und beim öffnen der tür merken, dass wieder ein arbeitstag vergangen ist, der keinen raum für pausen gelassen hat, zumindest nicht in meiner wahrnehmung. ich werde von transportmittel zu transportmittel hetzen, nur um dann in eine wohnung zurückzukehren, in der niemand auf mich wartet und mich wieder fragen, warum ich es nicht einfach viel entspannter angehen lasse. dann werde ich meine allabendlichen rituale durchführen und noch einmal diesen artikel lesen und etwaige kommentare dazu. um mich dann zu fragen, was eigentlich gestern abend mein problem gewesen ist.

oder es wird alles ganz anders. jeder tag ist eine überraschung, lassen wir es zu.

Verfasst von: semmy | 14. November 2009

volle regale

während meiner ausbildung zur buchhändlerin habe ich die bekanntschaft mit jemandem gemacht, der mit der herstellung von büchern seine brötchen verdient. ist ja auch klar, wenn man bücher verkauft, sollte man zumindest eine ahnung davon haben, wie die dinger gemacht werden. noch dazu, wo ich aus der stadt komme, wo der erfinder des buchdrucks zuhause war.

jener hersteller hat in einer der ersten stunden zu uns gesagt, dass buchhändler die schlechtesten verkäufer sind, die er kennt. was erstmal nach affront aussieht, ist in wirklichkeit leider die volle wahrheit. buchhändler sind schlechte verkäufer, denn in der regel sind sie dauerverliebt. in ihre bücher nämlich und jedes neue belletristische werk wird erst einmal von allen seiten begutachtet. hergeben will man es dann eigentlich nicht mehr. beim verkaufen verfällt man dann in schwärmereien, zumindest wenn man ein guter buchhändler ist. ich erlebe das auch unter den kollegen immer so. wenn jemand etwas für sich privat bestellt hat, lauern alle darauf das buch auch mal in die hand zu nehmen, sich den klappentext durchzulesen oder etwas genaueres darüber zu erfahren. buchhändler sind junkies ihrer eigenen ware.

ich bin davon glücklicherweise nur bedingt betroffen, weil ich nur fachliteratur verkaufen soll. die möchte ich nun wirklich nicht behalten, obwohl so ein arbeitsgesetz oder das mieterlexikon schon den ein oder anderen dienst geleistet haben. doch, wann immer ich die zeit und muße habe, muss ich in eine richtige buchhandlung und all das in mich aufsaugen, was andere kollegen tagtäglich erleben dürfen. neue bücher wohin man blickt. klassiker, hörbücher, bildbände… ganz toll. nach hause kehre ich dann nicht mit einem ganzen stapel bücher zurück, sondern mit einer liste voller isbns. immer hin- und hergerissen zwischen dem wunsch mal ganz gewöhnlicher konsument zu sein und nach herzenslust bücher zu sehen und gleich zu kaufen und der vernunft bei meiner eigenen firma zu bestellen und ein paar euros zu sparen.

wenn ich könnte hätte ich einen ganzen raum voll mit büchern. aber meine 35 qm geben das leider nicht her, deswegen wandern meine bücher meist direkt in die zweitverwertung bei ebay. das spart geld und lässt sich direkt wieder reinvestieren. eigenartigerweise erlebe ich in den letzten wochen so eine merkwürdige sehnsucht nach den büchern aus meiner kindheit. gerade jetzt zu weihnachten denke ich an solche sachen wie weihnachten in bullerbü. das wäre jetzt schön. ich muss mal wieder bei meinen eltern in den alten sachen auf dem dachboden stöbern. die lassen sich bestimmt finden.

apropos stöbern. meine kleinen zwillinge kommen ja auch langsam in das alter, wo sie sich ernsthaft für bücher interessieren und auch richtig gut geschichten anhand von bildern nacherzählen können. und weil wir die von mir geschenkten bücher nicht finden konnten, habe ich kurzerhand zum einzig auffindbaren buch aus meiner kindheit gegriffen, zum struwwelpeter. und ich muss sagen, das ist ja ein schauriges buch. klar, ich kannte das so bruchstückhaft noch, aber ich hatte total verdrängt, dass das so furchtbar brutal war. in jeder geschichte wird entweder jemand verletzt oder er stirbt. ist das pädagogisch wertvoll? ich denke nicht. ich habe mich jedenfalls schlicht geweigert das vorzulesen, um dem kind keine angst zu machen. stattdessen hab ich mir die bilder erklären lassen und war erschrocken darüber, dass eine zweijährige das schon so gut erfassen und mitteilen kann. sie hat nämlich sehr wohl erkannt, dass dort mütter von ihren söhnen geschlagen werden und kleine jungs von hunden gebissen. erziehung durch angstmachen ist aber nicht mein ding. da muss dringend neuer lesestoff her.

als nächstes kaufen werde ich mir auf jeden fall das buch von nick hornby – juliet naked. allerdings warte ich noch auf die softcover ausgabe in englisch. und vielleicht gelingt es mir ja auch irgendwann mal wieder mich vollständig auf meine lektüre zu konzentrieren und nicht stunden mit dem pc zu verbringen. abtauchen in eine andere welt ist etwas wirklich schönes.

Verfasst von: semmy | 14. November 2009

grübeln verboten?

als ich anfang der woche vom freitod robert enkes gehört habe, war ich zugegebenermaßen sehr geschockt. ich habe mich zwar vorher kaum mit ihm als torwart beschäftigt, aber als fußballfan hatte auch ich unweigerlich von seinen schicksalsschlägen der letzten jahre gehört und das rennen um die nummer eins im deutschen tor bleibt einem zeitungsleser auch nicht verborgen.

vor ein paar jahren ist einem fußballer von mainz 05 das gleiche „passiert“. auch guido erhard hat sich vor einen zug geworfen und ich erlebte damals zum ersten mal eine schweigeminute im stadion und die fassungslosigkeit, die damit einhergeht. guido galt unter den fans als sehr zugänglicher und fröhlicher mensch. immer ein offenes ohr für die fans und trotz seiner wenigen auftritte im rot-weißen trikot ein beliebter spieler. dann verschwand er plötzlich von der bildfläche und so recht wusste (offiziell) niemand, wohin es ihn verschlagen hatte. im nachhinein stellte sich heraus, dass er in psychiatrischer behandlung gewesen war. geholfen hat es ihm offensichtlich nicht, denn sein weg endete freiwillig so wie der von robert enke.

ich frage mich jetzt die ganze zeit, ob dieser weg von vorne herein gezeichnet ist oder ob man eine echte chance hat dem zu entgehen? ist diese krankheit wirklich heilbar oder leistet die therapie im grunde genommen nur einen aufschub? was ist mit den menschen aus unserem umfeld, die immer eine gewisse traurigkeit zum ausdruck bringen und sich grübelnd zurückziehen? sind die es, um die wir uns sorgen müssen oder sind es diejenigen, die stets lächeln und die vermeintlich kein wässerchen trüben kann? deutet eine melancholische, zuweilen düstere ader auf gefahren hin? ist der gedanke sich vorzeitig aus dem leben zu verabschieden, der sich gelegentlich zugang zu den gedanken verschafft schon gefährlich oder ist das etwas, das je nach lebenssituation schon einmal vorkommen kann?

wo ist die grenze zwischen schlichtem pessimismus und einer echten gefahr? sind menschen im umgang mit anderen menschen überhaupt jemals 100% sie selbst? oder verbergen sie sich hinter masken, die das widerspiegeln, was ihr gegenüber von ihnen erwartet? robert enke entschuldigt sich in seinem abschiedsbrief dafür, dass er sein umfeld, aber vor allem seine frau in den letzten tagen seines lebens getäuscht hat, was seinen gemütszustand betrifft. die person also, die ihm am nächsten stand und die meines erachtens nach wohl sein größtes vertrauen besaß.

und was wollen wir im umgang mit anderen menschen? wollen wir sie so, wie sie sind oder wollen wir uns nicht mit der fülle an eigenschaften auseinandersetzen, die so ein mensch unweigerlich mit sich bringt? interessieren wir uns wirklich für das, was der andere empfindet und denkt oder genügt uns eine oberflächliche betrachtung? die diskussion, die jetzt angestoßen wurde um den leistungsdruck in der heutigen gesellschaft, unabhängig von der branche fußball, wird mit der zeit im sande verlaufen und letztlich nichts ändern. was ist beispielsweise mit den mitarbeitern der französischen telefongesellschaft, die sich in den letzten monaten zahlreich das leben genommen haben, weil sie mit dem druck nicht klarkamen? eine randnotiz in der zeitung.

was ist mit den männern, die ihren frauen etwas vorlügen, weil sie finanzielle probleme verbergen wollen und die dadurch ein lügengespinst entwickeln, das so völlig unnötig ist? warum versuchen wir es stattdessen nicht öfter einfach mit der wahrheit? the truth cuts deep, but it cuts clean. das wird langsam alles etwas zusammenhanglos, deswegen will ich das an dieser stelle beenden. irgendwie wäre es doch schön, wenn man über die menschen, die im näheren umfeld sind, sagen könnte, dass man zwar nicht jedes detail ihres lebens kennt, aber dass man merkt, wenn es ihnen nicht gut geht und sie hilfe brauchen, oder? und dass man auch lernt zu unterscheiden, wann die eigenen bedürfnisse zurückgestellt werden sollten und ein offenes ohr viel angebrachter ist als ein eigenes lamentieren.

in der todesanzeige von robert enke heißt es nach einem zitat von vaclav havel:

Hoffnung ist nicht die Überzeugung dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal wie es ausgeht.

machs gut robert! hättest du vorher von dieser anteilnahme gewusst, hättest du dich vielleicht getraut und dich geöffnet. vielleicht hätte es aber auch nichts geändert…


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